Fünfter Tag: Wasser 1

Wasser….

  • löscht den Durst, belebt…ohne Wasser gibt es kein Leben,
  • plätschert, schwappt über, schäumt, spritzt, durchnässt, benetzt, sprudelt, tropft, verdampft, gefriert, tost,
  • ist nass, warm, kalt, erfrischend, lebensnotwendig, verschmutzt, bedrohlich…

Wie bedrohlich Wasser werden kann, erzählt auch folgende Bibelstelle, die wir mit einem sogenannten Bibliolog in einer einfachen Version für daheim erkunden wollen.

Bei einem Bibliolog machen wir eine Reise in die biblische Zeit. Wir versetzen uns in die biblischen Gestalten hinein und reichern in den biblischen Rollen die Zwischenräume in den Texten mit unseren Erfahrungen und unserer Fantasie an.

Ich bitte Sie, jeweils ein Stück des Textes zu lesen – gerne auch laut, wenn Sie das möchten und an den entsprechenden Stellen eine Pause zu machen und Ihren Gedanken nachzugehen.

Zuerst werde ich in die Geschichte einführen. Immer wieder werde ich auch den Bibeltext zitieren. Dabei werde ich an mehreren Stellen einer Figur der Geschichte eine Frage stellen. Sie dürfen dann in die Rolle dieser biblischen Person schlüpfen und in Gedanken als diese Person antworten. Ob Sie die Antwort aufschreiben, laut aussprechen oder im Stillen denken, bleibt Ihnen überlassen. Lassen Sie sich dabei genügend Zeit. Wenn Ihnen dann keine neuen Gedanken mehr kommen, dann lesen Sie bitte weiter im Text.

Wichtig ist beim Bibliolog, dass alle Aussagen, alle Gedanken, die mir kommen, wertvoll sind. Denn alle Aussagen entspringen der menschlichen Erfahrungsebene, da gibt es die Kategorien „richtig / falsch“ nicht. Das gilt auch für die Beurteilung meiner eigenen Gedanken … Und da wir biblische Personen nicht siezen, werde ich ab jetzt alles in der Du-Form schreiben.

Mache dich also in Gedanken auf die Reise. Stell dir vor, du besteigst ein Flugzeug, das dich in Gedanken über Raum und Zeit hinweg bringt. Du fliegst über Süddeutschland und die Alpen bis übers Mittelmeer und landest in Israel in der Zeit Jesu vor 2000 Jahren.
Du bist jetzt am See Gennesaret. Am Westufer befindet sich die pulsierende von Herodes erbaute Stadt Tiberias. Richtung Westen siehst du die galiläischen Hügel…und nördlich von Tiberias gibt es viele kleinere Dörfer und Städte, eines davon ist Kafarnaum. Du siehst am gegenüberliegenden Ostufer die Berge aufragen. Und davor liegt der See. Friedlich liegt er da, der See Gennesaret, die Sonne glitzert auf dem Wasser. Kaum zu glauben, dass vor allem abends oft Fallwinde von den Bergen herkommen und den See zu wilden und gefährlichen Wellen aufwühlen.
Jesus ist dort am See Gennesaret unterwegs, um das Reich Gottes zu verkünden.
Jünger hat er schon berufen, die mit ihm unterwegs sind, die meisten sind Fischer – und auch Frauen sind dabei.
HEUTE hat Jesus wieder von Gott erzählt, hat Kranke geheilt, wieder waren viele Leute da, um Jesus zuzuhören. Und ich stell mir vor, dass Jesus und die Jünger ganz schön müde sind.

Hier beginnt unsere Geschichte:

35 Am Abend dieses Tages sagte Jesus zu den Jüngern: Wir wollen ans andere Ufer hinüberfahren. 36 Sie schickten die Leute fort und fuhren mit ihm in dem Boot, in dem er saß, weg; und andere Boote begleiteten ihn.

Du bist eine/einer der Leute, die Jesus zugehört haben. Nun haben dich die Jünger weggeschickt. So stehst du da und siehst die Boote ablegen.
Was denkst und fühlst du, was geht jetzt in dir vor?

  • Ich….
  • …….
  •  

Wenn Dir keine weiteren Gedanken mehr kommen, dann lies weiter.

37 Plötzlich erhob sich ein heftiger Wirbelsturm und die Wellen schlugen in das Boot, sodass es sich mit Wasser zu füllen begann. 38  Jesus aber lag hinten im Boot auf einem Kissen und schlief.

Die Frau des Simon kommt im Bibeltext zwar nicht vor, aber wir wissen, dass Simon Petrus verheiratet und Jesus wohl oft bei ihm zu Gast war, zeitweise wahrscheinlich sogar bei ihm gewohnt hat.
Stell dir also vor, Du bist die Frau des Simon. Du weißt, dass dein Mann zusammen mit Jesus und den anderen heute Abend nochmal auf den See hinausgefahren ist. Jetzt hörst du diesen Sturm. Schnell machst Du Dich auf zum See. Du stehst am Ufer und siehst weit draußen deinen Mann und die anderen Jünger im Boot gegen diese heftigen Wellen ankämpfen. Du siehst Jesus im Boot liegen. Frau des Simon, was geht dir in diesem Augenblick durch den Kopf und durch dein Herz?

  • Ich….
  • ….

Wenn Dir keine weiteren Gedanken mehr kommen, dann lies weiter.

Sie weckten ihn und riefen: Meister, kümmert es dich nicht, dass wir zugrunde gehen? 39 Da stand er auf, drohte dem Wind und sagte zu dem See: Schweig, sei still. Und der Wind legte sich und es trat völlige Stille ein. 40 Er sagte zu ihnen: Warum habt ihr solche Angst? Habt ihr noch keinen Glauben?
Da ergriff sie große Furcht und sie sagten zueinander: Wer ist denn dieser, dass ihm sogar der Wind und das Meer gehorchen?

Du bist Simon. Inzwischen sind seit diesem aufwühlenden Abend einige Tage vergangen.
Was komm dir als Erstes in den Sinn, wenn Du an diesen Abend auf dem See denkst?
Was beschäftigt dich noch am meisten?

  • Ich….
  • …..
  •  

Danke Simon – Danke Thomas, – Danke Frau des Simon, Danke Leute. Danke Dir, dass Du Simon, Thomas, der Frau des Simon und den Leuten deine Gedanken und Empfindungen geliehen hast. Danke für alles, was Dich bewegt hat und für all Deine Gedanken.
Die biblischen Figuren kehren nun in die Bibel zurück. Nimm Abschied von Jesus, den Jüngern und Jüngerinnen und den Leuten und von allem anderen, was Du innerlich gesehen hast. Besteige in Gedanken wieder das Flugzeug, das dich in Gedanken wieder zurück bringt in Deine Gegenwart und in Deine Wohnung oder an den Ort, wo Du gerade bist. Du bist jetzt wieder Du selbst. Vielleicht möchtest Du Dich einmal recken und strecken oder kräftig durchatmen. 

Dann lies den Bibeltext nochmals ganz durch – jetzt aus Deiner eigenen Perspektive als Du selbst:

Mk 4, 35-41

35 Am Abend dieses Tages sagte Jesus zu den Jüngern: Wir wollen ans andere Ufer hinüberfahren. 36 Sie schickten die Leute fort und fuhren mit ihm in dem Boot, in dem er saß, weg; und andere Boote begleiteten ihn.
37 Plötzlich erhob sich ein heftiger Wirbelsturm und die Wellen schlugen in das Boot, sodass es sich mit Wasser zu füllen begann. 38 Jesus aber lag hinten im Boot auf einem Kissen und schlief.
Sie weckten ihn und riefen: Meister, kümmert es dich nicht, dass wir zugrunde gehen? 39 Da stand er auf, drohte dem Wind und sagte zu dem See: Schweig, sei still.
Und der Wind legte sich und es trat völlige Stille ein. 40 Er sagte zu ihnen: Warum habt ihr solche Angst? Habt ihr noch keinen Glauben? Da ergriff sie große Furcht und sie sagten zueinander: Wer ist denn dieser, dass ihm sogar der Wind und das Meer gehorchen?

Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift, vollständig durchgesehene und überarbeitete Ausgabe 2016 Katholische Bibelanstalt, Stuttgart

Impulse

  • Was ist mir bei diesem Bibliolog aufgegangen?
  • Was habe ich erfahren?
  • Was will ich mir merken?
  • ….

Vielleicht geht es im Leben nicht immer so wunderbar zu wie in der Bibelstelle. Aber wir dürfen fest davon ausgehen, dass Gott bei uns ist und uns Kraft schenken will, wenn unser Leben zu aufgewühlt ist und wir „untergehen“ zu drohen.

Von dieser Hoffnung singt auch das Lied mit dem Text von Teresa von Avila:

Lied: Nada te turbe

Nada te turbe nada te espante; quein a Dios tienne nada le falta. Nada te turbe, nada te espante: sólo Dios basta.
(Nichts beunruhige dich, nichts ängstige dich: wer Gott hat, dem fehlt nichts. Gott allein genügt.)

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