Heilsames für Leib und Seele

Miniatur aus dem so genannten Lucca-Codex des „Liber divinorum operum“: Hildegard am Schreibpult, um 1220/1230, Biblioteca Statale in Lucca

Die Seele ist wie ein Wind, der über die Kräuter weht,
und wie der Tau, der auf die Gräser träufelt,
und wie die Regenluft, die wachsen macht.

Genauso ströme der Mensch
sein Wohlwollen aus auf alle,
die da Sehnsucht tragen.

Ein Wind sei er, indem er den Elenden hilft,
ein Tau, indem er die Verlassenen tröstet,
und Regenluft, indem er die Ermatteten aufrichtet
und sie mit der Lehre erfüllt wie Hungernde:
indem er ihnen seine Seele hingibt.
Amen

aus: Der Mensch in der Verantwortung. Das Buch der Lebensverdienste. Übersetzt und erläutert von Heinrich Schippergers, Salzburg 1972, S. 108, leicht verkürzt.

Heilkräuterwanderung

Heilsames für Leib und Seele mit spirituellen Impulsen inspiriert durch Hildegard von Bingen
Schon seit dem Mittelalter kennen Menschen die heilende Wirkung von Kräutern. Wir wollen an diesem Nachmittag Kräuter kennenlernen und ihre Anwendungsmöglichkeiten erfahren.

In einem spirituellen Abschluß bringen wir Leib und Seele zusammen.
Andrea Benz ist Fachapothekerin für Allgemeinpharmazie, Geriatrische Pharmazie, Homöopathie und Naturheilkunde

Termin: Sasmtag 23.6. 2018

Beginn: 13:30 Uhr

Ende: 16:30

Kosten : 12 Euro

Samstag, 23.06.2018

Anmeldung bis 08.06.2018 bei:

Sekretariat Landpastoral Schönenberg 40
73479 Ellwangen
Telefon: 07961-9249170-14

Mo. 10-13 Uhr, Di. 10-12 Uhr+
Do. 14-16 Uhr
oder per Mail: landpastoral.schoenenberg@drs.de

www.landpastoral-schoenenberg.de

Komm Heilger Geist

Komm Schöpfer Geist
schwebe auch heute über allem
was wüst und wirr und finster ist
und lass es Licht werden
wie am ersten Tag.

 

 

 

Komm Heiliger Geist
brich auf die Angst voreinander
befreie von Neid und Misstrauen
befreie zum Zuhören
ermögliche Verstehen
bewege die Herzen
schenke Vertrauen
öffne unsere Hände
hilf uns zu teilen
Komm Heiliger Geist
schenk uns den Blick nach vorne
und das rechte Wort
befreie zum Reden
ermögliche Verstehen
zeig deine Macht und
erfülle uns mit deiner Kraft
locke uns über Grenzen hinaus
wirke durch uns geist-reich und wunder-bar
Komm Heiliger Geist
führe heraus aus Kleinglauben
und unnötiger Ängstlichkeit
führe heraus aus toten Gesetzen
und lähmender Angst
führe heraus aus falschen Bedenken
und vorschneller Verweigerung
führe uns deine Wege
hinaus ins Weite
Komm Heiliger Geist
öffne unser Ohr für dein Rufen
und gib uns den Willen zu verstehen
öffne unser Herz für deine Weisheit
und gib uns den Willen ihr zu glauben
öffne unseren Mund für deine Wahrheit
und gib uns den Willen sie zu bezeugen
öffne unsere Augen für deine Wege
und gib uns den Willen sie zu beschreiten
Komm Heiliger Geist
gib uns den Blick für deine Möglichkeiten
und die Bereitschaft dir zur Hand zu gehen
gib uns Worte, die Menschen aufrichten
und den Freimut, sie auszusprechen
bewahre uns vor Hochmut und Selbstgefälligkeit
im Innersten mache uns frei
bewahre uns in Bedrängnis und Anfeindung
lass uns im Herzen frei bleiben
Komm Heiliger Geist
in die Enge unseres Alltags
und in die Gedanken, die uns verfolgen
Komm in die Zwänge, die uns vorgegeben sind
und befreie uns aus lähmender Resignation
Komm in die Verletzungen von Ablehnung und Unverständnis
und heile was in uns zerbrochen und zerschlagen ist
Komm durch die Mauern von Ignoranz und Lüge
und führe aus den Kerkern der Festlegungen und Vorurteile
Komm Heiliger Geist
sonst kommen wir nicht weiter
in unserem Denken und Reden
damit unser Leben
neue Kreise zieht
damit wir uns freuen an dem,
was du wirkst in den Menschen
damit wir deine Kirche sind
und werden
Komm Heiliger Geist
und offenbare dich immer neu
Komm auch wenn wir schwach und müde sind
öffne unseren stummen Mund
und schließe den geschwätzigen
Komm mit deinen guten Gaben
Komm Heiliger Geist
du Geist der Unterscheidung
zeige uns was wir bewahren müssen und was wir loslassen dürfen
Komm du Geist der Zukunft
zeige uns was wir angehen müssen und öffne Herzen und Wege dafür
Komm du Geist der Einheit
zeige uns was uns weiterbringt und lass es uns beherzt auch tun
Komm du Geist der Hoffnung
beseele uns, belebe uns und führe uns.
Komm Schöpfer Geist
schwebe auch heute über allem was wüst und wirr und finster ist
und lass es Licht werden
wie am ersten Tag.
( vgl. und s. „Die Pfingstnovene in der Kirche an vielen Orten“ Diözese Rottenburg Stuttgart 2018)

Von Ostern her sehen

Von Ostern her sehen
das war ein Spruch, den ein Mitbruder immer wieder gebracht hat.
Von Ostern her sehen.
Warum Ostern? Eigentlich klar. Alles kommt von Ostern her!
Für uns Christen ist das Osterfest das wichtigste Fest im Jahr. Ohne Ostern kein Christentum – keine Christen. Da wären wir nicht was wir sind – wären wir heute hier nicht zusammen. Das Osterfest ist der zentrale Moment im Kirchenjahr. Von Ostern her definiert sich alles.
Aber das ist nur die eine Richtung, denn wir können Ostern nur feiern, wenn wir auch den Karfreitag begehen. Ohne Karfreitag kein Ostern.
Karfreitag und Ostern.
Einerseits sind sie sich ganz nah und bedingen sich gegenseitig andererseits sind sie ganz weit von einander weg und drücken das totale Gegenteil aus.

Tod und Leben.
Dunkel und Licht.
Leid und Freude.

diese Gegensätze gehören für uns Christen zusammen. Oft schwierig auszuhalten doch ohne das eine nicht das andere.
So müssen wir als Christen die Zeichen von Ostern her deuten. damit wir verstehen, was die Botschaft der Auferstehung uns sagen will. Wo finden wir diese Zeichen?

Ganz viele Zeichen sind im Johannes Evangelium versteckt – ich möchte nur ein paar andeuten.
Maria Magdalena geht frühmorgens zum Grab. Sie geht in der Dunkelheit. In der Dunkelheit entscheidet sich das Leben. Der Übergang vom Tod zum Leben. Große Erkenntnisse geschehen auch in der Nacht. So war es ja auch schon früher mit Nikodemus, der in der Nacht das Gespräch mit Jesus gesucht hatte. Auch da hat sich bei Nikodemus für sein Leben viel entschieden.
Maria Magdalene kommt zum Grab und sieht, daß der Stein weggenommen ist. Der Stein als Symbol für Verschlossenheit. Nun ist das Grab geöffnet: nichts ist mehr da, was blockieren kann. Was das neue Leben zurückhalten kann.
Dann die beiden Jünger, die zum Grab laufen. Wir Schwaben denken uns da erst einmal nichts. Wenn wir aber das Laufen aus dem Hochdeutschen ins Schwäbische übersetzen, dann heißt das Rennen. Ja die beiden Jünger sind ziemlich schnell unterwegs. Aber der andere Jünger ist schneller als Petrus. Er begreift die Auferstehung schneller als Petrus. Er weiß schneller, was passiert ist. Er hat schneller die Auferstehung begriffen.
Auf ein letztes Zeichen will ich eingehen, das Johannes uns gibt. Es ist das Schweißtuch. In der Einheitsübersetzung heißt es, daß es zusammengebunden an einer eigenen Stelle lag. Diese Stelle kann aber auch übersetzt werden, daß es zusammengefaltet an einer anderen Stelle lag. Zum Beispiel die Bibel in gerechter Sprache schreibt zusammengefaltet. Was steckt dahinter? Vor einiger Zeit habe ich dazu einen interessanten Radiobeitrag gehört. Er beschrieb die Tischsitten in Israel – also der Kulturkreis aus dem Jesus stammte. In Israel ist es üblich während des Essens auch einmal aufzustehen und hinauszugehen. Zum Beispiel eine zu rauchen oder die Füße zu vertreten, damit wieder etwas hineinpaßt. Als Zeichen für das Servicepersonal gilt: ist die Serviette zusammengeknüllt komme ich nicht zurück. Ist die Serviette schön zusammen gefaltet heißt das ich komme zurück.
Wenn nun das Schweißtuch zusammengefaltet im Grab liegt, will uns damit der Evangelist nicht sagen: Jesus kommt zurück? Er bleibt nicht im Tod – er kommt wieder zum Leben. Ich denke eine legitime Deutung.

das sind ein paar Zeichen, die wir als glaubende Menschen bekommen.
Es sind Zeichen, die jeder Mensch erst einmal sieht, die aber nur der glaubende Mensch deuten kann. Aus seinem Glauben heraus.
So müssen wir auch die Zeichen in unserem Leben von Ostern her deuten.
Wo sind die Zeichen, die auf Auferstehung, die auf Leben, die auf Licht, die auf Leben hindeuten?
Kann ich Ereignisse, die erst einmal negativ erscheinen, positiv deuten? Daß auch im scheinbar Schlimmen Gutes ist.
Ich will nichts verharmlosen – das Schwere und das Leid haben erst einmal ihren Platz, doch gerade als Menschen die von der Auferstehung her leben, von Ostern her leben, bekommen diese Ereignisse einen neuen Sinn.
Dazu sagte einmal ein früherer Mesner vom Schönenberg: „Koi Schada wo net au a Nutze dabei isch:“
Von Ostern her sehen. Was verändert sich? Was ist anders? Ich möchte einen Text von Lothar Zenetti dazu zitieren:

Mir ist ein Stein
vom Herzen genommen:
meine Hoffnung
die ich begrub
ist auferstanden
wie er gesagt hat
er lebt er lebt
er geht mir voraus!

Ich fragte:
Wer wird mir
den Stein wegwälzen
von dem Grab
meiner Hoffnung
den Stein
von meinem Herzen
diesen schweren Stein?

Mir ist ein Stein
vom Herzen genommen:
meine Hoffnung
die ich begrub
ist auferstanden
wie er gesagt hat
er lebt er lebt
er geht mir voraus!

(Ostermorgen
Aus: Lothar Zenetti, Auf seiner Spur. Texte gläubiger Zuversicht. Matthias-Grünewald Verlag der Schwabenverlag AG, Ostfildern 2011.)

von Ostern her sehen. Das haben wir als glaubende Menschen – nicht glaubenden Menschen voraus. Denn wir können die Welt und unser Leben im Licht der Auferstehung deuten. Dadurch ist nicht alles gleich gut – aber es wird gut. Wir sehen als glaubende Menschen mehr als nicht glaubende. Wir müssen es nur tun. Daher lade ich ein: Laßt uns unser Leben von Ostern her sehen.

P. Jens Bartsch